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Mangelnde Digitalisierung von Deutschland zu Zeiten von Corona ist das Hauptproblem

Man möge im Video des ersten Links (unten) ab Minute 5:25 mal genau hinhören. Herr Spahn verkündet stolz, dass ab dem 01.01 (vermutlich 2021) bereits 50% der Covid-Meldungen digital verarbeitet werden und „nur“ noch 50% per Fax… Man habe „in den letzten 3 Monaten mehr in der Digitalisierung des Gesundheitswesen erreicht, als in den letzten 10 Jahren“.

Wir haben es in den letzen 40 Jahren, seit Beginn der Digitalisierung in den 80ern, nicht geschafft, digitale Strukturen zu schaffen, die nicht nur für das Handling einer Katastrope ultra wichtig gewesen wären, sondern auch für das bürokratische Prozedere im Land eine entscheidene Rolle spielen würden. Dass unser Handynetz eines der schlechtesten überhaupt und unsere Internetanbindung im weltweiten Vergleich auf Platz 33 (2019), Platz 25 (2020), mobiles Internet auf Platz 47 (2019) rangiert, erwähne ich mal nur nebenbei. Es gibt immer noch viele Haushalte, die nicht mal einen Breitband-Anschluss haben. Wir stehen also schlechter da als Slowenien und die Slowakei.
https://www.spiegel.de/politik/deutschland/coronavirus-jens-spahn-zur-bekaempfung-der-pandemie-livestream-a-2a34febe-a80a-4728-82c6-76793ff06438

Quelle : https://www.pcwelt.de/news/Speedtest-Ranking-Deutschland-nur-auf-Platz-33-10642127.html

Das Problem ist, dass unsere Behören noch so tief im analogen Zeitalter feststecken, dass jährlich Milliarden an Euro durch reine Ineffizienz verschwendet werden und das bürokratische Prozedere kaum noch zu bewältigen und somit extrem zäh und langsam ist. Nicht nur die mangelnde Digitalisierung fordert ihren Tribut, auch werden dadurch immer noch (teure und langsame) Arbeits-Praktiken angewendet, das Verwalten von Daten über Hänge-Reigster z.B., die sich seitmehr als 100 Jahren nicht verändert haben und sehr fehleranfällig sind. Oft „verschwinden“ Daten, liegen doppelt vor, Anträge werden oder können nicht oder nur sehr spät bearbeitet werden und es kommt zu Formfehlern.
Das Gerichtsverfahren, das ich seit 12(!) Jahren bzgl. des OEG führen muss, ist ein Paradebeispiel für diesen unfassbaren Misstand. Ein Großteil dieser 12 Jahre ist auf das Beantragen von Akten, das Abgleichen dieser, das manuelle Durchsuchen, Verlust von Akten, falsche Zusendung, Postwege, Kommunikation per Brief, Versand unzählicher Dokumente per Brief, Fristerneuerung durch Verlust und Nachverfolgung, Datenabgleiche und Korrespondenz im Allgmeinen unzählicher Behörden, Anwälte, Ärzte und Institutionen sowie der manuellen Datenpflege zurück zu führen.
Die fehlende Digitalisierung kostet und kostete den Steuerzahler nicht nur unfassbar viele Milliarden über die Jahre und Zeit und Nerven für alle Beteiligten sondern auch viele, viele Menschenleben, mangels Möglichkeiten, einer dynamischen Panedemie schnell, zeitnah und effizient begegnen zu können. Dass auch in Schulen immer noch mit Kreide auf eine Schiefertafel gemalt wird, ist in diesem Zusammenhang auch eine Erwähnung wert. Wenn ein Land wie Deutschland im weltweiten Vergleich auch in Zukunft wirtschaftlich und politisch eine Rolle spielen will, muss man Kindern bereits gestern schon ganz anders auf eine längst begonnene Zukunft vorbereiten. Wenn die Verbraucherzentral im Jahre 2015 extra nochmal darauf hinweisen muss, sein „Miettelefon“ aus den 80er Jahren zu kündigen, weiß man, wie es um das digitale Selbst-Verständnis der Bevölkerung bestellt ist.

Sicher tragen einige Unbelehrbare, im Bezug auf Corona, ihren Teil zur Verschärfung der Lage bei, aber ein funktionierender und organisierter Staatsapperat muss in der Lage sein, diese Fluchtmenge auffangen zu können. Kann er aber nicht, also bleiben als einzige verbleibende Möglichkeiten Radikal-Maßnahmen, die hätten vermieden werden können. Nur wer trägt die Verantwortung? Der Bürger, der sich weitgehend an die Maßnahmen hält, aber hier und da wenigstens für einen Moment Gefühl seines alten Lebens haben möchte, oder eine Regierung, für die das Internet im Jahre 2013 noch „Neuland“ war?


https://www.welt.de/wirtschaft/article169396594/Deutsche-Behoerden-im-Analog-Zeitalter.html

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