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Offener Brief an Patrick Sensburg (CDU) zu OEG

Sehr geehrter Herr Sensburg,
ich habe aus den Medien erfahren, dass Sie sich für die Strafverschärfung bei sexuellen Missbrauch von Kindern stark gemacht haben. Erst einmal vielen, vielen Dank dafür und meinen größten Respekt für Ihr Engagement.
Ich habe aber ein Anliegen. Und ich wende mich an Sie, weil ich Sie eben aus den Medien kenne und bereits mit Abgeordneten wie z.B. Herr Andreas Jung, oder Frau Astrid Burholt und anderen Personen der CDU in Kontakt stand und teilweise, wie von Herrn Jung sogar über Jahre ignoriert bzw. ohne Ergebnis vertröstet wurde. Und auch da Sie als Abgeordneter der CDU und Rechtsexperte der CDU einen direkten Bezug zur Politik haben und ich Sie für den richtigen Ansprechpartner halte.

Es gibt nicht nur im Strafgesetzbuch im Bezug auf sex. Missbrauch große Mängel, sondern auch im Bezug auf das OEG und der Versorgung von Opfern. Ich versuche mich so kurz es geht zu fassen wie es geht, um Ihnen das Problem zu schildern.
Ich bin als Kind ab meinem 9. Lebensjahr vergewaltigt und über Jahre mehrmals von insgesamt 3 Tätern sexuell missbraucht worden. Ich habe jetzt ungefähr 17 Jahre Therapie hinter mir und bei mir wurden eine schwere Depression (mit Suizidversuchen), eine posttraumatische Belastungsstörung und eine Persönlichkeitsveränderung nach Extrembelastung mit unterschiedlichen Auslegungen, also mit dissoziativen und/oder paranoiden Tendenzen diagnostiziert. Ich nehme und nahm über Jahre hinweg Psychopharmaka. In Kliniken war ich auch bereits mehrmals.
Ich war so traumatisiert, dass ich erst nach 2 Therapien überhaupt erst so klar denken konnte, dass meine Therapeutin mich zur Polizei begleitet hat und und ich Anzeige erstatten konnte. Da war ich Ende 20 und alle Taten waren dann aber bereits verjährt. Das war schon schlimm genug, aber das eigentliche Problem kam dann erst. Ich habe dann langsam, mit Hilfe von Therapeuten, angefangen meine Rechte wahrzunehmen, da ich bis zu diesem Zeitpunkt keinerlei Unterstützung bekommen hatte. Dazu gehört auch OEG zu beantragen. Anfangs wurde mit ein Schädigungsgrad von 30 zuerkannt, ich habe also so um die 130,- Euro im Monat erhalten und mir wurden meine Therapiekosten übernommen. Dieser Schädigungsgrad war meiner Meinung nach viel zu niedrig, also habe ich dagegen geklagt, ebenso habe ich für einen Berufsschadenausgleich geklagt, da ich meinen Beruf (Informatiker) nicht ausüben konnte, bzw. nur mit großen Kompromissen und Einschränkungen nachgehen konnte. Nach 3 Jahren, wurde mir meine Schädigungsgrad nach einem Gutachten auf 25 gesenkt, das bedeutet, man erkennt gerade so auf dem Papier an, dass ich „gewisse“ Probleme mit der Vergewaltigung und den sex. Missbräuchen habe aber meine Leid nicht ausreicht, um mich in irgend einer Weise zu unterstützen. Ich erhalte also nach gerade einmal drei Jahren keine monatliche Unterstützung mehr und meine Therapiekosten wurden auch nicht mehr übernommen. Dagegen habe ich natürlich auch geklagt. Die Verfahren ziehen sich nun seit über 12(!) Jahren.
Jetzt sei an dieser Stelle erst einmal erwähnt, dass es nicht um Glaubwürdigkeit geht. Da einer der Täter ein polizeibekannter und einschlägig vorbestrafter Pädophiler war und meine Aussage bei der Polizei und meine Schilderungen über den Missbrauch sich mit denen von anderen Opfern, die ich weder kannte noch in Kontakt mit ihnen stand (Taten die damals vor Gericht verhandelt wurden) decken was Art und Ablauf angeht (er hatte ein spezielles „Spiel“, das er immer mit mir gespielt hat), geht man davon aus „dass die von mir geschilderten Ereignisse sich so zugetragen haben“. Außerdem wurden über die Jahre immer wieder Gutachten gemacht und auch meine Aussage bei der Polizei wurde auf Video festgehalten und vermutlich von der Behörde selbst und Gutachtern als glaubwürdig eingestuft.
Was ist also nun das Problem? Nun, die Behörde, also das Versorgungsamt stellt die Kausalität in Frage. Ich bin zu allem Unglück auch noch rehabilitiertes Opfer der SED. Meine Eltern wurden damals verfolgt und inhaftiert. Ich bin von meinen Eltern als 2 jähriges Kind getrennt worden und im Heim gelandet. Wir wurden dann vom Westen freigekauft und bin dann in eine sehr kaputte Familie zurückgekommen. Gewalt und Vernachlässigung waren Bestandteil meiner Kindheit, ebenso wurde ich in Kinderheime abgeschoben, in denen ich auch misshandelt wurde. Mit 15 lebte ich dann auf der Straße und wurde später mit Anfang 20 drogenabhängig (heute bin ich clean).
Die Behörde versucht also nun seit 12 Jahren, all diese Ereignisse als kausale Ursache für meine psychischen Probleme zurecht zu biegen. Der Fall ist sehr kompliziert und immer wieder wird mit neuen Argumenten vor Gericht versucht das Gericht davon zu überzeugen, dass die Vergewaltigung und der sex. Missbrauch mir kaum bis gar nichts ausgemacht hätten.
Um ein Beispiel zu nennen, wurde jetzt sogar vom Amt die Frage gestellt, warum ich denn Anfang 20 mich wegen der psychischen Auswirkungen meiner Drogensucht habe behandeln lassen, aber die PTBS z.B. in der Behandlung keine Rolle gespielt hat. Und immer, wenn ich solche Fragen beantworte, oder es zumindest versuche, wird irgendetwas Neues gesucht. Diese Frage z.B. kann man damit beantworten, dass ich zu der Zeit noch die Vergewaltigung und den Missbrauch verdrängt habe, deshalb habe ich auch Drogen genommen, als eine Art Selbstmedikation. Auch dass ich ja erst Jahre später in der Lage war, eine Therapie anzufangen, weil ich mich schlichtweg geschämt habe und nicht darüber sprechen konnte und das was passiert ist nicht wahrhaben wollte, also versucht habe zu verdrängen, wäre ein Erklärung dafür. Diese Erklärung wird ja auch von der Tatsache gestützt, dass ich erst Jahre später mit Therapien angefangen habe, oder zur Polizei gegangen bin. Außerdem lässt sich vieles auch psychologisch erklären. Traumatisierte Menschen handeln nicht rational, sondern versuchen zu ertragen und zu überleben. Ich habe auch kaum Erinnerungen an meine Zeit als junger Erwachsener, ich kann im Nachhinein auch einfach nicht mehr im Detail, wie es gefordert wird, alles genau erklären und rechtfertigen und mich auf diese Haarspalterei einlassen. Ich war schlichtweg schwer traumatisiert und mit dem reinen Überleben beschäftigt.
Ich habe im Laufe der 12 Jahre des Verfahrens nun hunderte Seiten an Berichten, Widersprüche, Stellungnahmen und Gegendarstellungen geschrieben, Argumente und Dokumente zusammengesucht, Gutachten über mich ergehen lassen und mich mit einer Tiefe auf die Thematik einlassen müssen, die mir schwer geschadet hat.
Um mal eine Sachbearbeiterin vom Versorgungsamt zu zitieren : „Die Vergewaltigung haben Sie doch ganz gut weggesteckt Herr Eggert“. Ich bin also durchgehend damit beschäftigt, zu beweisen, dass ich die Vergewaltigung nicht „ganz gut weggesteckt habe“, und ums mal salop ausdrückten, die Vergewaltigung und die Missbräuche mir nicht gefallen haben und ich gewisse Probleme damit habe. Das ist unmenschlich und zynisch. Nicht nur, weil diese Tiefe und diese filigrane Auseinandersetzung mit den Verbrechen an mir als Kind jeden persönlichen Fortschritt, oder Heilung verhindert hat, da immer wieder aufs Neue Wunden aufgerissen werden, auch treibt mich das Gefühl zur Verzweiflung, dass ich keine Gerechtigkeit erfahren werde und das Leid der Opfer von Missbrauch in diesem Land immer noch nicht wirklich ernst genommen wird. Der Berufsschadensausgleich wurde mittlerweile mehr oder weniger abgeschmettert, ebenso die Erhöhung des OEG und selbst dass ich den ursprünglich festgelegten Schädigungsgrad von 30 wieder erhalten, ist eher unwahrscheinlich. Ich war Anfang letzten Jahre 2 mal in einer Klinik, war schwer Suizid gefährdet, nehme wieder Medikamente. Ich ertrage das Verfahren eigentlich schon seit Jahren nicht mehr, aber ich stecke in einer Zwickmühle, denn, wenn ich aufgebe, dann erfahre ich in keinster Weise Gerechtigkeit. Wie gesagt, die Taten sind verjährt und ich erhalte auch keinerlei Unterstützung. Außerdem bleibe ich dann auf 10.000 Euro Therapiekosten sitzen, habe tausende Euro an Anwaltskosten, Korrespondenzkosten, Kosten für Versicherungen, Kosten für Medikamente und so weiter. Unterm Strich, wenn man die 3 Jahre OEG gegenrechnet, habe ich nicht nur alles verloren, was ich mir finanziell mühsam über die Jahre durch Verzicht angespart habe, ich verliere auch noch 12 Jahre (und mehr, je nachdem wie lange das verfahren noch dauert) meines Lebens durch das Verfahren (denn meine Leben drehte sich zeitweise nur noch darum) und muss dann, neben dem Schaden, den der Missbrauch und die Vergewaltigung in meiner Seele angerichtet hat, auch noch mit dem Umstand klar kommen, dass ich mich hoch verschuldet habe, kaum in der Lage sein werde meinen Lebensstandard zu verbessern (ich lebe unterhalb der Armutsgrenze) und keinerlei Unterstützung erhalten werde. Ich habe also in jeder Hinsicht nur drauf gezahlt. Mein Leben wird hinterher sehr viel schlechter sein als vorher und das nur, weil ich Opfer von schweren Straftaten wurde, die ich mir nicht ausgesucht habe und die ich auch nicht wollte und mir deswegen Hilfe gesucht und auf Unterstützung gehofft hatte. Ich denke oft, es wäre besser gewesen, gar nicht erst Hilfe in Anspruch zu nehmen und kann das das Ziel des OEG sein, Opfer abzuschrecken und Fälle zu schaffen, die weitere Opfer präventiv davon abhalten, überhaupt erst das OEG, das eigens für sie geschaffen wurde, in Anspruch zu nehmen?
Nach dem Verfahren, werde ich also eine schlechtere Ausgangslage haben, all die Ereignisse therapeutisch so aufzuarbeiten, dass ein halbwegs normales Leben möglich sein wird, weil die Ausgangslage eben viel belasteter ist und Umstände beinhaltet, mit denen ich zusätzlich klar klar kommen muss, als vor dem Verfahren, wo ich „nur“ mit der Vergewaltigung und dem Missbrauch zu kämpfen hatte. Ich bin heute 38 Jahre alt und mir läuft langsam die Zeit davon. Die einzige Zukunftsperspektive wird für mich dann sein, ein Leben anzustreben, dass halbwegs erträglich ist. Familie, Karriere, die Welt sehen sind keine Optionen mehr für mich. Es geht ums reine Existieren, in der Hoffnung, dass der nächste Tag wenigstens ein bisschen Freude für mich bereithält. Egal wie, egal womit.
Vielleicht ist Ihnen bewusst, dass mein Fall gar nicht so selten ist. Viele Opfer scheuen sich vor dem OEG, weil sie eben wissen, wie schwer und steinig dieser Weg wird und ist. Viele haben auch schlichtweg Angst vor diesem Weg, weil die Wahrscheinlichkeit, Gerechtigkeit zu erfahren geringer ist als man glaubt und eine Retraumatisierungen eher die Regel, als die Ausnahmen ist. Soweit ich informiert bin, halten gerade einmal 1/3 aller Opfer, die OEG beantragen, diese Tortour durch. Das Internet und die Erfahrungsberichte auf den einschlägigen Internetseiten sind voll davon. Die Meisten geben einfach im laufe des Prozesses auf und finden sich damit ab, dass sie im Leben „die Arschkarte“ gezogen haben und im Stich gelassen werden.
Ich für meinen Teil kann das mittlerweile nachvollziehen. Durch die detaillierte Aufarbeitung und dem immensen Widerstand der Behörde, fühlte ich mich immer und immer wieder aufs neue vergewaltigt. Ich wollte mir zeitweise das Leben nehmen, aber nicht nur wegen der Taten selbst, sondern eben auch wegen diesem unmenschlichen und ablehnendem Prozess, den ich hinterher, als anerkanntes Opfer durchlaufen musste und immer noch muss.

Natürlich ist mein Fall sehr viel komplexer, aber ich möchte Ihnen nur einen Überblick über die Kernproblematik verschaffen und Ihnen nicht mit den Details Zeit stehlen. Aber, das Gericht hat mittlerweile einen eigenen Aktenschrank für mich und jeder, der sich bisher einen Überblick im Detail verschafft hat, konnte nur noch mit dem Kopf schütteln. Darunter waren Juristen, Ärzte, Therapeuten und Menschen aus meinem näheren Umfeld. Hier ist etwas vor Jahren schon massiv aus dem Ruder gelaufen und der Behörde gelingt es immer wieder, sich durch juristische Spitzfindigkeiten vor ihrer Verantwortung zu drücken. Auf Kosten der Opfer. Selbst die Richterin meinte einmal persönlich zu meiner Anwältin, dass sie in Anbetracht meiner gut protokollierten Biografie gerne zu meinen Gunsten entscheiden würde, aber da sie an Gesetze gebunden ist schlichtweg auf das juristische Spielchen der Behörde eingehen und am Ende Gesetze berücksichtigen muss, egal wie ungerecht, nicht nachvollziehbar oder missbräuchlich sie auch genutzt werden, um die eigenen Interessen (in dem Fall der Behörde) durchzusetzen. Recht haben bedeutet nicht unbedingt Recht bekommen. Die Behörde, die nun, um mal die juristischen Spitzfindigkeiten aufzuzeigen, mit den anderen Ereignissen in meiner Biografie die Kausalität im Bezug meiner psychischen Probleme auf die Vergewaltigung verwässert, spielt diese Ereignisse in gesonderten Verfahren, für die ich vom Gericht angehalten wurde auch OEG zu beantragen als „nicht schlimm genug“, oder „kaum beweisbar“ herunter, die Anträge wurden also abgelehnt, zieht aber genau diese Ereignisse als Grund heran, warum die Kausalität meiner Probleme sich nicht eindeutig auf die Vergewaltigung und den Missbrauch zurückführen lässt, gibt ihnen somit also plötzlich wieder Gewicht. Hier wird jongliert und ausgelegt, wie es eben grade nützlich ist. Weder die Ereignisse, noch die Schäden werden angezweifelt, aber das Ergebnis ist unterm Strich, dass die Behörde juristisch in der Lage ist, Konsequenzen so stark zu verteilen und zu verwässern, dass man am Ende leer ausgeht. Eine Psychologin hat mir mal erzählt, „je mehr einem zustößt, umso weniger Rechte hat man und bekommt zugesprochen“. Und genau das passiert gerade in meinem Fall. Wäre ich „nur“ vergewaltigt und „nur“ sexuell missbraucht worden, hätte ich diese Probleme nicht, da sich die Frage der Kausalität nicht stellen würde, da ich aber auch andere, schwer traumatische Erfahrungen machen musste, scheinen sich, laut Behörde, die Schädigungsfolgen bzw. Ursachen so stark zu verteilen, dass ich, nimmt man jedes Ereignis gesondert für sich, keinerlei Anspruch auf irgend eine Unterstützung habe, denn eine klare gesetzliche Regelung, die eine gesamte Biografie betrachtet, oder Schäden, die aus der Masse der Ereignisse dieser Biografie entstehen, gibt es nicht. Und genau das macht sich die Behörde zu nutzen. Auch wenn z.B. Gewalt im Kinderheim eine Depression auslösen kann, so kann sich eine Depression nicht auf zwei, oder mehr Ursachen aufteilen, so dass jedes Ereignis dann nur noch zu z.B. 25% für die Depression verantwortlich ist und somit kein kausaler Zusammenhang mehr besteht. Diese Auslegungsmöglichkeiten sind die Lücken im System. Hier müsste man mit Wahrscheinlichkeiten bewerten. Wenn eine Vergewaltigung z.B. eine Wahrscheinlichkeit von 80% hat eine Depression auszulösen, dann sollte man auch die Vergewaltigung für die diagnostizierte Depression als mögliche, wahrscheinlich Ursache in Erwägung ziehen und nicht Anteile dieser Diagnose auf Ereignisse verteilen können, bis nichts mehr, oder zu wenig übrig bleibt, um dann noch Ansprüche für z.B. eine Therapie geltend machen zu können. Die Depression bleibt in vollem Ausmaße und der/die Betroffene muss damit umgehen und sie behandeln können, egal, ob nun „eventuell“, „vielleicht“ doch irgend ein anderes Ereignis diese Depression ausgelöst haben „könnte“. Am Ende bleibt der Mensch, der die Ursachen klar festlegen kann und in meinem Fall ist und bleibt es die Vergewaltigung und der Missbrauch. Ja, die Gewalt war schlimm, ja, die Verfolgung und Trennung von meinen Eltern war schlimm, aber was mich über allem belastet ist und bleibt die Vergewaltigung. Wie kann es möglich sein, dass man nun diese Aussage als Opfer beweisen muss, oder dies irgendwie in Korrelation zu irgendetwas stellen will? Wie soll das funktionieren und vor allem, wieso ist das überhaupt nötig, wenn zweifelsfrei festgestellt und anerkannt wurde, dass eine Vergewaltigung im Kindesalter stattgefunden hat?

Gerade, wenn die Glaubwürdigkeit nicht in Frage steht, sollte das OEG grundsätzlich von einer Schädigung ausgehen und man sollte automatisch einen Schädigungsgrad zugesprochen bekommen. Natürlich soll differenziert werden, ein leichter, einmaliger Missbrauch ist etwas anderes, als ein systematisch, über Jahre andauernder schwerer sexueller Missbrauch. Aber, gerade in letzterem Fall (also bei schwerem sexuellen Missbrauch, welcher defakto klar als Vergewaltigung definiert ist) halte ich es für blanken Hohn, erstmal zu schauen, wie stark dem Kind/Menschen die Vergewaltigungen und der jahrelange Missbrauch überhaupt geschadet hat und ihn dann noch juristisch jahrelang durch die Hölle gehen zu lassen, nur um diese 130,- Euro im Monat zu sparen. Es ist leichter Hart 4 mit Vollversorgung zu erhalten, nebenbei unentdeckt schwarz zu arbeiten und ein Vermögen zu verschleiern, als als Opfer einer Vergewaltigung diese 130,- Euro zu erhalten. Selbst bei einem, wie von mir geforderten Schädigungsgrad von 50% hat man nur einen Anspruch auf 243,- Euro im Monat. Erinnern Sie sich an die Corona-Soforthilfe? Wie vielen es möglich war, zehntausende Euro Soforthilfe, völlig unbürokratisch zu erhalten, auch zu erschleichen? Warum muss man an Opfern von schweren Straftaten also die paar Euro sparen und auch noch Therapien, die sie dringen benötigen verwehren?

Es ist für mich nicht begreifbar, wieso nicht eine Tat ansich, sondern nur Schädigungsfolgen und die Verteilung auf Ereignisse dieser als Kriterium für das OEG gelten. Gerade bei schweren Straftaten wie Vergewaltigung und Missbrauch von Kinder ist es doch eher wahrscheinlich, dass das Opfer in irgend einer Form darunter leidet und traumatisiert ist, als nicht. Ich habe noch nie etwas davon gehört, dass die Mehrheit der in ihrer Kindheit missbrauchten und vergewaltigten Kinder keine Probleme mit den Taten hatte und später haben wird. Ich lese und höre im besten Fall lediglich von denen, die es irgendwie schaffen, damit klar zu kommen, aber wirklich gesund war, ist und wird niemand von uns. Eine vollständige Genesung ist kaum möglich und setzte auch erstmal ein Leiden/Krankheit voraus und wenn man OEG beantragt, wird aber erstmal geschaut, obs einem überhaupt geschadet hat vergewaltigt worden zu sein. Das ist vollkommen absurd. Hier muss automatisch ein gesetzlich vorgeschriebener GDS von mindestens 30 her, um wenigstens anfallende Therapie-Kosten decken zu können und es sollte lediglich eine höhere Bewertung genauer geprüft werden.

Mein Anliegen ist also, nicht nur die Gesetze im Bezug auf die Bestrafung der Täter müssen verschärft werden, sondern auch muss das OEG und die Rechte der Opfer vereinfacht bzw. reformiert und klarere definiert werden. Der ganze Prozess muss vereinfacht werden mit Hinblick auf die Opfer, die so etwas über sich ergehen lassen müssen.

Ich bitte Sie also, von ganzem Herzen, sich ebenfalls mit den Opfern und ihren Rechten auseinanderzusetzen und die Problematik mit dem OEG und den Behörden zu durchleuchten und an geeigneter Stelle vorzutragen. Ich glaube, ich spreche im Namen viele Opfer von sexueller Gewalt, die selber nicht mehr die Kraft haben, sich mit dem System auseinanderzusetzen und schon längst aufgegeben haben. Wir haben keine Lobby und die Opfer selbst erheben sich in den seltensten Fällen, da ihnen schlicht die Kraft fehlt, sich über ihre eigene Biografie hinaus auch noch mit den Ungerechtigkeiten des Systems auseinanderzusetzen. Aber wir sind da und wir sind viele, sehr viele, wie offiziellen Zahlen belegen und wir leiden.

Mit freundlichen Grüßen

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